Was ist eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Fichtes „Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters“?

Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters gelten als Fichtes wichtigste Schrift zur Geschichtsphilosophie. Ausgehend von seinen Ergebnissen in den Wissenschaftslehren 1804 und 1805, entwickelt Fichte auf Basis eines aus minimalistischen Prämissen deduzierten „Weltplans“ eine Deutung der Religions- und Staatengeschichte Europas und liefert auf dieser Grundlage eine detaillierte Gegenwartsdiagnose. In diesem Rahmen positioniert sich Fichte kritisch zur Berliner Aufklärung, zu Schelling und der Romantik, aber auch zum Aufstieg Napoleons. Seither wird das Werk kontrovers rezeptiert. Friedrich Schlegel bezeichnet es als „ein dickes Buch, das beste als Buch und auch das merkwürdigste, das er je geschrieben“, Johann Friedrich Herbart attestiert ihm die „Kraft des Selbsttadels“. Um die Wende zum 20. Jahrhundert rückt das Werk noch einmal in den Fokus des philosophischen Interesses: Autoren wie Friedrich Meinecke, Ernst Troeltsch, Emil Lask oder Bruno Bauch knüpfen explizit an Gedanken aus Fichtes Grundzügen an. In der gegenwärtigen Fichte-Forschung spielen die Grundzüge eine untergeordnete Rolle, stehen aber außerhalb dieses Diskurses im Fokus rassismus- und antisemitismuskritischer Untersuchungen zu Fichte.

Anliegen dieses Workshops ist es, die Grundzüge als integralen Bestandteil von Fichtes Werk zu diskutieren und die vielschichtigen Gedankengänge nachzuvollziehen. Dabei soll auch die Rezeptionsgeschichte reflektiert und problematischen Aspekten der Grundzüge nachgegangen werden. 

Der Workshop wird ausgerichtet von der Internationalen Johann-Gottlieb-Fichte-Gesellschaft e.V. und dem DFG-Koselleck-Projekt „Wie umgehen mit Rassismus, Sexismus und Antisemitismus in Werken der klassischen deutschen Philosophie?“.

26. 27. Nov.
14:00 14:00
Jena
Rosensäle, kleiner Sitzungssaal (Raum 101), Fürstengraben 27, 07743 Jena